Technik und Methodik
Die Reißtechnik des Weltrekordlers Ju. Sacharewitsch
Deutsche Zusammenfassung von Tyazhelaya Atletika. Ezhegodnik 1983 (Moskau: Fizkultura i Sport, 1983), S. 10–16: der Text ist eine Paraphrase, keine Übersetzung; Datentabellen sind vollständig mit deutschen Beschriftungen wiedergegeben; Abbildungen sind die Originalbilder.
Material
Filmanalyse von drei Reißversuchen von Ju. Sacharewitsch (Gewichtsklasse 100 kg; Körpergröße 178 cm, Fußlänge 28 cm): 188 kg (1. Versuch, Rekord), 192.5 kg ungültig (2. Versuch) und 192.5 kg Weltrekord (3. Versuch). Die Bildnummern beziehen sich auf das Kinogramm, die Positionen auf die Abb. 1–2; Phasenzeiten, Geschwindigkeiten, Winkel und Hantelpositionen enthalten die Tabellen 1–5.
Der Rekordversuch mit 192.5 kg
- Start: Füße zwei Fußbreiten auseinander, Fußspitzen leicht nach außen, die Hantelstange über den Zehengrundgelenken; das Becken höher als die Knie; Rumpf 22°, Schultern vor der Hantelstange, Kopf aufrecht, enger Griff; Hüfte 42°, Knie 84°, Schienbeine 64°.
- Erster Zug (0.5 s einschließlich des Ablösens von der Plattform): Bei 10 cm ist der Rumpf am stärksten geneigt (17°; Knie 110°, Hüfte 51°), und die Hantelstange ist 2 cm näher am Heber. Seine Schultern gehen nach oben und 3 cm zurück, danach senkrecht — und nicht auf dem sonst üblichen Bogen nach vorn. Am Ende: Schienbeine senkrecht, Hüfte 93° (bei anderen ≈ 85°), die Hantelstange knapp über den Knien und 6.5 cm näher.
- Zweites Beugen der Knie (0.08 s, ganzer Fuß): Die Streckung des Rumpfes führt die Knie nach vorn; am Ende Hüfte 113°, die Hantelstange auf halber Oberschenkelhöhe über der Fußmitte, die Schultern 6 cm davor.
- Explosivphase (0.17 s): Der Körper ist am Ende gestreckt und nach hinten geneigt. Der Rumpf streckt sich schneller als die Beine, sodass sich die Hantel stärker nach oben und zurück zum Heber bewegt, als es optimal wäre.
- Untergang unter die Hantel: Die Arme ziehen den Körper unter die Hantel; die Füße bleiben 0.06 s am Boden und bewegen sich dann während einer Flugphase von 0.14 s zur Seite und 15 cm nach hinten, während die Hantel noch steigt. In der tiefen Hocke: Rumpf 61°, Knie 22°, Schienbeine 48°. Die Hantelbahn endet in einer Schleife nach unten; er richtet sich auf, indem er das Becken hebt und die Schultern nach vorn bringt (Bild 12).
Vergleich der drei Versuche
Tabelle 1. Dauer der Phasen (s)
| Hantel, kg | Bis zum Ablösen der Hantel von der Plattform | Erste Zugphase | Zweites Beugen der Knie | Explosivphase | Stützphase nach der Explosivphase | Stützlose Phase | Amortisationsphase | Gesamtzeit |
| 18*+ | 0.13 | 0.33 | 0.08 | 0.17 | 0.06 | 0.19 | 0.29 | 1.25 |
| 192.5– | 0.15 | 0.42 | 0.08 | 0.17 | Versuch abgebrochen | |||
| 192.5+ | 0.13 | 0.37 | 0.08 | 0.17 | 0.06 | 0.14 | 0.33 | 1.28 |
* In der Vorlage steht „185+“; im Text, in Abb. 1 und in den Tabellen 2–5 wird dieser Versuch durchgehend mit 188 kg angegeben, sodass die letzte Ziffer offensichtlich beschädigt ist (zu lesen als 188).
Tabelle 2. Geschwindigkeit der Hantelstange in den Phasen (m/s)
| Hantel, kg | Nach vollständiger Beinstreckung | Beim zweiten Beugen der Knie | In der Explosivphase | Am Ende der Stützphase | Nach dem Abstoßen von der Plattform |
| 188+ | 1.56 | 1.52 | 1.85 | 1.49 | 1.64 |
| 192.5– | 1.43 | 1.36 | 1.75 | Versuch abgebrochen | |
| 192.5+ | 1.49 | 1.45 | 1.80 | 1.43 | 1.58 |
Tabelle 3. Gelenkwinkel in den Grenzpositionen (Grad)
| Hantel, kg | Nach vollständiger Beinstreckung | Nach dem zweiten Beugen der Knie | ||||
| Winkel im Sprunggelenk | Kniewinkel | Rumpf zur Plattform | Schienbein zur Plattform | Kniewinkel | Rumpf zur Plattform | |
| 188+ | 90 | 153 | 32 | 80 | 137 | 54 |
| 192.5– | 90 | 151 | 34 | 74 | 131 | 59 |
| 192.5+ | 90 | 151 | 32 | 78 | 134 | 55 |
Für den gültigen Versuch mit 192.5 kg nennt der Artikeltext den Rumpfwinkel nach dem zweiten Beugen der Knie mit 57°; die Tabelle gibt 55° an.
Tabelle 4. Position der Hantelstange in den Phasen (cm)
| Hantel, kg | Höhe nach vollständiger Beinstreckung | Annäherung an den Heber in der ersten Zugphase | Höhe am Ende des zweiten Beugens der Knie | Höhe bei maximaler Geschwindigkeit in der Explosivphase | Verlagerung zum Heber hin nach der Explosivphase, bezogen auf den Start | Höhe am Ende des Fußstützes nach der Explosivphase |
| 188+ | 59 | 6 | 68 | 92 | 4 | 106 |
| 192.5– | 60 | 9 | 70 | 90 | 6 | |
| 192.5+ | 59 | 7 | 68 | 93.5 | 5 | 106 |
Tabelle 5. Kennwerte der Hantelstange in den Phasen (cm)
| Hantel, kg | Maximale Höhe der Hantelstange | Tiefe der Amortisation in der Hocke | Höhe der Fixierung in der Hocke | Verlagerung der Hantelstange zum Heber hin bei der Fixierung, bezogen auf den Start | Verlagerung der Füße nach hinten | Abstand des Hantelschwerpunkts von der Fersenkante |
| 188+ | 125 | 7 | 118 | 23 | 18 | 15 |
| 192.5+ | 124.5 | 9 | 115.5 | 21 | 15 | 14 |
Im Original ist diese Tabelle einfach mit „Tabelle“ überschrieben, ohne Nummer; sie ist die fünfte der Reihe.
Ergebnisse
- Erster Zug: in allen Versuchen dieselbe Höhe, aber unterschiedliche Zeiten — der schnellste Zug (188 kg) erreichte daher die höchste, der langsamste (der ungültige Versuch) die niedrigste Geschwindigkeit. Im Vergleich zu anderen Hebern (am Ende Knie ≈ 145°, Rumpf 30°) streckt er die Knie stärker und neigt den Rumpf etwas weniger.
- Kurzes zweites Beugen der Knie — ein Kennzeichen seiner Technik: Der Kniewinkel verringert sich in den gültigen Versuchen um 16–17°, im ungültigen um 20°, gegenüber etwa 25° bei anderen; die Stangengeschwindigkeit fällt dabei nur um 0.04 m/s ab (0.07 im ungültigen Versuch).
- Explosivphase: Bei gleicher Dauer (0.17 s) legte die Hantel in den gültigen Versuchen einen längeren Weg zurück (24 und 25.5 cm gegenüber 20) und erreichte damit eine höhere Abfluggeschwindigkeit. Allein durch den Schwung würde die Hantel nur noch 17.5, 15.5 bzw. 16.5 cm weiter steigen (auf 109.5, 105.5 und 110 cm) — zu wenig gegenüber den erforderlichen 124.5 cm.
- Woher die zusätzliche Höhe stammt:
- Nach der Explosivphase bleiben die Heber 0.02–0.07 s auf der Plattform und ziehen mit gebeugten Armen weiter; seine 0.06 s sind lang und wirkungsvoll. Im 2. Versuch spürte er offenbar eine ungünstige Hantelbahn und brach ab.
- Ohne diese Stützphase würde sich die Hantel auf 0.83 m/s (188 kg) bzw. 0.88 m/s (192.5 kg) verlangsamen; die Vorlage bezeichnet den zweiten Wert als „2. Versuch“, die zugehörigen tatsächlichen Geschwindigkeiten sind jedoch die des gültigen 3. Versuchs.
- Das Abstoßen von der Plattform beschleunigt die Hantel erneut — auf 1.61 m/s (laut Text; Tabelle 2 nennt 1.64) bei 188 kg und auf 1.58 m/s bei 192.5 kg, und zwar in 109 bzw. 108 cm Höhe, was für 122.5 und 121 cm ausreicht. Die Füße sollten daher so schnell und so energisch wie möglich versetzt werden.
- Die letzten 2.5 bzw. 3.5 cm stammen aus der Arbeit an der Hantel während der Flugphase; diese dauert gewöhnlich 0.15–0.33 s, bei ihm nur 0.19 bzw. 0.14 s.
- Schwachstelle — Hantelbahn nach hinten: In der Explosivphase öffnet sich der Hüftwinkel um 39° (113→152°), der Kniewinkel dagegen nur um 3° (134→137°); eine gleichmäßige Streckung würde Schultern und Hantel senkrecht führen, was effektiver ist. Die Verlagerung nach hinten (Tabelle 5) zwingt ihn, beim Untergang unter die Hantel nach hinten zu treten.
- Stärke — minimale Amortisation: 9 cm sind das geringste bei Spitzenhebern registrierte Absinken. Heber seiner Körpergröße bringen die Hantel gewöhnlich auf 132 cm; seine 124.5–125 cm sind die niedrigste je bei einer gelungenen Fixierung registrierte Höhe — ermöglicht durch die kurze Amortisation.