Erfahrungsaustausch
Modell und Programm für die Technikschulung der Wettkampfübungen
Deutsche Zusammenfassung von Tyazhelaya Atletika. Ezhegodnik 1983 (Moskau: Fizkultura i Sport, 1983), S. 51–59: der Text ist eine Paraphrase, keine Übersetzung; Datentabellen sind vollständig mit deutschen Beschriftungen wiedergegeben.
Gekürzt nach A. Akrabow, Vdigane na tezhesti za yunoshi (Gewichtheben für Jugendliche), Sofia: Meditsina i Fizkultura, 1977; Übersetzung P. Poletajew; die Abschnitte zum speziellen Krafttraining wurden weggelassen.
Terminologie. „Razhnozhka“ = Hockstil; „nozhnitsy“ (Schere) = Schrittstil; „polupodsed“ (Halbhocke) = Standreißen bzw. Standumsetzen; „podryv“ = die explosive Endstreckung des Zuges.
Begründung
- Anfänger benötigen zuerst die Grundlagen der Wettkampfübungen; das programmierte Lehren — ein Modell, das die genaue Folge der Handlungen festlegt, also ein „Algorithmus“ des Lernens — optimiert diesen Prozess.
- Vorteile: Es vermeidet die Fehler und das überflüssige Wiederholen eines Trainings nach Versuch und Irrtum; es schafft eine einheitliche Grundlage für alle Anfänger; es beschleunigt das Lernen.
- Die Folge wird in Schritte zerlegt, von denen jeder vor dem nächsten beherrscht werden muss (R. Przeweda, 1971); die Lernenden sehen die Bewegung, bevor sie sie als Ganzes ausführen, und gewinnen Motivation und Beharrlichkeit. Die führende Rolle des Trainers ist dabei unverzichtbar.
- Mit jeder der beiden Übungen kann begonnen werden; beide Wege bringen Heber von Weltklasse hervor. Die Schule des CSKA „Septemvriysko zname“ (Sofia) beginnt mit dem Reißen — so auch Andon Nikolow, Nedeltscho Kolew und Krastjo Semerdschijew, die in beiden Übungen gleich stark waren.
- Die Grundlagen erfordern 8–10 Trainingseinheiten, danach beginnt das normale Training.
Das Modell: Folge der Phasen
Nach einem Schema von W. I. Rodionow und L. N. Sokolow (1972).
I. Beidarmiges Reißen im Hockstil (15 Schritte)
- Ausgangsstellung.
- Start — Zug.
- Position „Hang oberhalb der Knie“.
- Start — Hang oberhalb der Knie — Sprung nach oben.
- Start — Hang oberhalb der Knie — Explosivstreckung (podryv).
- Aus dem Hang oberhalb der Knie — Standreißen.
- Aufstehen — Füße schließen — Fixieren der Hantel.
- Aus dem Hang unterhalb der Knie — Standreißen.
- Vom Boden — Standreißen.
- Hocken in der Reißhockposition.
- Aus dem Hang oberhalb der Knie — Reißen im Hockstil.
- Aufstehen — Füße schließen — Fixieren der Hantel.
- Aus dem Hang unterhalb der Knie — Reißen im Hockstil.
- Start — Zug — Explosivstreckung.*
- Vom Boden — Reißen im Hockstil.
* Anmerkung des Übersetzers: bulgarisch „teglene“ = erste Phase des Zuges, „izteglyane“ = die explosive zweite Phase (podryv).
II. Beidarmiges Stoßen (20 Schritte)
- Ausgangsstellung.
- Start — Zug.
- Hang oberhalb der Knie.
- Aus dem Hang oberhalb der Knie — Halbhocke (Standumsetzen).
- Aufstehen — Ausgangsstellung für das Ausstoßen.
- Aus dem Hang unterhalb der Knie — Umsetzen.
- Standumsetzen vom Boden.
- Aus dem Hang oberhalb der Knie — Umsetzen im Hockstil.
- Aus dem Hang unterhalb der Knie — Umsetzen im Hockstil.
- Vom Boden — Umsetzen im Hockstil.
- Ausgangsstellung für das Ausstoßen.
- Sprung nach oben mit der Hantel auf der Brust.
- Auftakt und Abdruck ohne Armeinsatz („Halbstoß“).
- Halbstoß mit Armeinsatz.
- Halbhocke mit der Hantel in Augenhöhe.
- Standstoßen („shvung“).
- Aus dem Zehenstand — Schrittstellung („Schere“).
- Ausstoßen im Schrittstil.
- Heranschließen aus der Schrittstellung, Fixieren.
- Stoßen als Gesamtübung.
Modell zur Programmierung der praktischen Technikschulung der Wettkampfübungen
| Trainingseinheit | Inhalt |
| 1 | Vermittlung der Grundlagen des Standreißens. Beginn des Krafttrainings. Körperliche Vorbereitung |
| 2 | Festigung der Grundlagen des Standreißens. Spezielles Krafttraining. Körperliche Vorbereitung |
| 3 | Vermittlung der Grundlagen des Reißens im Hockstil. Spezielles Krafttraining. Körperliche Vorbereitung |
| 4 | Festigung der Technik des Reißens im Hockstil. Spezielles Krafttraining. Körperliche Vorbereitung |
| 5 | Vermittlung der Grundlagen des Umsetzens für das Stoßen. Erlernen des Standreißens von Erhöhungen. Spezielles Krafttraining. Körperliche Vorbereitung |
| 6 | Vermittlung der Grundlagen des Ausstoßens von der Brust und Zusammenfügen zur Gesamtübung. Vervollkommnung der Grundlagen der Reißtechnik. Spezielles Krafttraining. Körperliche Vorbereitung |
| 7 | Festigung der Grundlagen der Stoßtechnik. Spezielles Krafttraining. Körperliche Vorbereitung |
| 8* | Vervollkommnung der Grundlagen der Reiß- und Stoßtechnik. Spezielle Kraftvorbereitung. Körperliche Vorbereitung |
* In der digitalisierten Vorlage steht „3“ — offensichtlich eine beschädigte 8.
Das Programm Einheit für Einheit
Jede Einheit: Aufwärmen → Technikblock → spezielle Kraft- und körperliche Vorbereitung (hier weggelassen). Der Trainer demonstriert von vorn und von der Seite; die Lernenden halten Schlüsselpositionen, damit korrigiert werden kann. Nach dem Technikblock: 8–10 min aktive Erholung (Spiel oder Musik). Beim Gruppenunterricht werden die Pausen zwischen den Sätzen mit Bauchmuskelübungen, Liegestützen und Bizepsübungen ausgefüllt.
Einheit 1 — Grundlagen des Standreißens
- Geräte: Hantelstange mit Holzscheiben, Kinderhantel oder Standardhantel auf 20 cm hohen Erhöhungen (bei kleinen Scheiben entsprechend niedriger).
- Stabübungen (6–8 Wiederholungen): (a) Stab auf den Schultern — Hocke auf ganzer Sohle, Aufrichten in den Zehenstand; Gesäß zu den Fersen, Rumpf aufrecht; (b) dasselbe mit dem Stab im Weitgriff über dem Kopf (6–7) — Nacken und Trapezmuskeln angespannt, Schulterblätter zusammen, Rücken gewölbt; (c) Stab vor dem Körper — dicht an der Brust über den Kopf führen, hocken, aufstehen, ablegen; (d) Stab auf den Schultern — hocken, über den Kopf und hinter den Kopf drücken, aufstehen, ablegen; Rumpf und Kopf bleiben fixiert; (e) in die Hocke gehen und dabei den Stab nach oben-hinten über den Kopf führen, aufstehen, ablegen.
- Start: Füße eine Fußbreite auseinander, parallel oder mit nach außen gedrehten Spitzen; Hantelstange über den Zehen; Rücken gewölbt, Kopf hoch; in die Hocke gehen und den Klammergriff einnehmen. So lange wiederholen, bis die Stellung natürlich wirkt.
- Start — Zug: zuerst strecken die Knie, dann Hüfte und Rumpf; die Arme bleiben locker; der Rücken bleibt durchgehend gewölbt. 4–6.
- Hang oberhalb der Knie: Hantelstange am unteren Drittel des Oberschenkels, Knie unter der Stange, Arme gestreckt und locker, Schultern gesenkt, das Gewicht leicht zu den Zehen verlagert.
- Sprung aus dem Hang, ohne Armeinsatz — scharfe Streckung von Beinen und Rumpf. 4–8.
- Podryv aus dem Hang: die Knie gehen leicht nach vorn-unten, dann explosive Streckung von Knie und Hüfte; am oberen Oberschenkel — in den Zehenstand, Schulterheben, leichtes Beugen der Ellenbogen, Rumpf nach oben und leicht zurück. Endstellung: auf den Zehen, Hüfte vorgeschoben, Ellenbogen über der Hantelstange, Stange am oberen Beckenrand; der Kopf bildet eine „unbewegliche Fortsetzung des Rumpfes“. 6–8–10. Hinweis: maximale Geschwindigkeit und volle Bewegungsamplitude.
- Standreißen aus dem Hang: zunächst Vorübungen — Hände in die Hüften, dann Stab über dem Kopf: in den Zehenstand, Untergang in die Halbhocke, wobei die Füße seitlich nach vorn versetzt werden, Spitzen nach außen (6–8). Hebung: scharfer Armzug und Umschlagen der Hantel während des Untergangs; die Stange dicht an Brust und Gesicht; Trapezmuskeln angespannt, Schulterblätter zusammen, Rücken gewölbt. 3–4×2–3.
- Aufstehen, Füße schließen, über dem Kopf fixieren — wird gemeinsam mit Schritt 6 geübt.
- Aus dem Hang unterhalb der Knie (Scheiben frei über dem Boden): die Knie bringen die Hantelstange über sich, dann ununterbrochene Streckung und Auffangen. 2–3×2–3.
- Vom Boden: zuerst einige Züge mit Endstreckung, dann 2–3×3–4.
Einheit 2 — Festigung des Standreißens
- Leichte Wiederholung: 2–3×2–3.
- Prinzip „maximales Gewicht bei guter Technik“: Steigerung in Schritten von +5 kg, je 2–3 Wiederholungen, bis die Technik sichtbar zusammenbricht. Als Maximum gilt das letzte technisch einwandfreie Gewicht, auch wenn mit Fehlern mehr gehoben werden könnte.
- Danach −10–15–20 kg: 2–3×2–3 unter strenger technischer Kontrolle.
- Den Lernenden ist zu erklären, warum die strenge Technik jetzt für den späteren Leistungsfortschritt entscheidend ist.
Einheit 3 — Grundlagen des Reißens im Hockstil
- Start, Zug und Explosivphase sind bereits erlernt; neue Aufgabe: die Verbindung der Explosivphase mit dem vollen Untergang in die Hocke.
- Aus dem Hang oberhalb der Knie: 3–4×2–3. Hinweise: die Streckung zu Ende führen (im Zehenstand, Schultern hoch, Hantelstange nahe am Becken) — nicht vorzeitig unter die Hantel hasten; die Füße leicht seitlich nach vorn setzen; die Arme ziehen während des Umschlagens weiter, Schultern und Ellenbogen werden nicht gesenkt.
- Aus dem Hang unterhalb der Knie: 2–3×2–3.
- 1–2×3 Züge mit Endstreckung, dann vom Boden 3–4×2–3; wer gut ausführt, erhält bis zu 3 zusätzliche Sätze mit +5–10 kg. 10 min Pause.
Einheit 4 — Festigung des Reißens im Hockstil
- Leichte Wiederholung 2–3×2–3; Reißen im Hockstil mit 2–3 bequemen Gewichten; 10 min Pause.
Einheit 5 — Grundlagen des Umsetzens; Standreißen von Erhöhungen
- Start: schulterbreiter Griff, Arme hängen, in die Hocke gehen und den Klammergriff einnehmen; Schultern nach vorn geschoben, Schulterblätter leicht zusammen. 3–4.
- Start — Zug wie in Einheit 1.
- Endstreckung aus dem Hang: die Hantelstange endet in Höhe der Hüftgelenke, nicht am oberen Beckenrand. 2–3×2–3.
- Standumsetzen aus dem Hang. Übungen ohne Hantel: (a) Hände in die Hüften, Handflächen nach hinten — hocken, Gesäß zu den Fersen, Rumpf senkrecht (4–5); (b) in den Zehenstand, Untergang in die Halbhocke, Füße nach vorn-auseinander (5–6); (c) Auftakt, Sprung, Landung in der Halbhocke, zweimal (6–8). Hebung: die Streckung geht in die Halbhocke über, die Arme ziehen und wenden die Hantel unter, die Ellenbogen weit nach vorn; Hantelstange, Hüfte und Fersen auf einer Senkrechten. 3–4×2–3.
- Aufrichten: die Beine werden nicht vollständig gestreckt; Übergang in die schmale Ausgangsstellung für das Ausstoßen.
- Aus dem Hang unterhalb der Knie: 2–3×2–3.
- Vom Boden: 3–4 Züge mit Endstreckung, dann 3–4×2–3.
- Umsetzen im Hockstil aus dem Hang (nach leichten Frontkniebeugen): aktiver Untergang, die Arme ziehen den Körper unter die Hantel; die Stange dicht an Bauch und Brust; Rumpf und Kopf wie am Ende der Streckung; die Ellenbogen nach vorn bis in die Waagerechte, parallel. Fehler: zu breite Fußstellung, Verlust der Rückenwölbung. 2–3×2–3.
- Aus dem Hang unterhalb der Knie: 2–3×2–3.
- Vom Boden: zuerst Züge; 3–4×2–3, danach ein Satz mit 2–3 Wiederholungen bei einem vom Trainer festgelegten schwereren Gewicht. 10 min Pause.
Einheit 6 — Grundlagen des Ausstoßens, Gesamtübung; Vervollkommnung des Reißens
- Ausgangsstellung für das Ausstoßen von den Ständern: Füße hüftbreit, Spitzen nach außen; in die Knie gehen, Ellenbogen nach vorn-unten bis in die Waagerechte und parallel; aufrichten, 2–3 Schritte zurück; Knie und Hüfte leicht gelöst, Rumpf senkrecht. Fehler: vorgeschobene Hüfte, Zurücklehnen. 3–4. Regel: „gestoßen wird mit den Beinen, nicht mit den Armen“.
- Sprung mit der Hantel auf der Brust: das Gewicht auf den Fersen; die Hantel bleibt auf der Brust liegen. 5–6.
- Halbstoß ohne Armeinsatz: Auftakt und Abdruck in den Zehenstand, ohne Absprung. 5–6.
- Halbstoß mit Armeinsatz: die Hantel bis in Augenhöhe. 5–6.
- Standstoßen: Vorübung von den Ständern — die Hantel im Zehenstand in Augenhöhe, abdrücken, Untergang in die Halbhocke auf ganzer Sohle, Arme durchgestreckt, Rumpf senkrecht (5–6); danach 3–4×2–3.
- Ausstoßen im Schrittstil: zuerst Übung ohne Hantel (6–8). Hinweise: der hintere Fuß auf dem Ballen, eng und parallel geführt, die Ferse leicht nach außen; die Hüfte wird nach vorn geschoben; der vordere Fuß steht flach auf, Kniewinkel ~90° oder etwas mehr; das hintere Bein fast gestreckt; Rumpf aufrecht. Mit Hantel, einschließlich Heranschließen und Fixieren: 4–5×2–3.
- Umsetzen + Ausstoßen als Gesamtübung: 6–8×1.
Geübt werden außerdem Rhythmus und Tempo im Reißen.
Einheit 7 — Festigung des Stoßens
- Leichte Gesamtübungen 3–4×2–3; zusätzliche Sätze für den fehlerhaften Teil der Bewegung.
- Zur Motivation vorher angekündigt: Wer technisch gut hebt, erhält +5 kg für 2–3 Hebungen, danach mittleres Gewicht 2–3×2–3; die Übrigen bleiben beim Lerngewicht. 10 min Pause.
Einheit 8 — Vervollkommnung beider Übungen
- Leichtes Gewicht 3–4×2–3 mit unmittelbarer Korrektur durch den Trainer; bei guter Ausführung wird das Gewicht gesteigert, 1–2 Sätze×2 je Stufe.
- Weitersteigern darf nur, wer locker und technisch korrekt hebt; bei fehlerhafter Technik geht es zurück zum individuellen Lerngewicht, so leicht die Hebung auch fallen mag.
- Nach 1–2 bzw. 3–4 Steigerungen zurück zum Lerngewicht für 2–4 Sätze×2–3. Zuerst das Reißen, dann das Stoßen.
- Von nun an: Technikarbeit mit dem maximalen Gewicht, das technisch korrekt gehoben wird.
Schlussfolgerungen
- Training bedeutet von nun an, die korrekte Technik an immer schwerere Gewichte anzupassen.
- Niemals Ergebnisse erzwingen oder Maximalgewichte mit groben Fehlern erproben — das festigt die Fehler; „Kraft ohne Technik ist blind“.
- Danach folgt das regelmäßige Training von Technik, Kraft und Willensqualitäten, mit besonderem Gewicht auf der allseitigen körperlichen Vorbereitung.